Pourquoi tant de haine?

Blogging

Es ist ein Traum. Wer bloggt, hat wahrhaftig Glück. Von überall her schwappt einem die Bewunderung entgegen. Täglich erhalte ich Dutzende von Fan-Mails und an guten Tagen tituliert man mich gar einen «professionellen Nachäffer» mit «Potenzial». Ausserdem verdiene ich angeblich illegal ein Schweinegeld mit Amazon-Buchlinks und pflege es, mich seit Jahren als Amerikaner vorzustellen, der nur zufällig einen schweizerischen und einen italienischen Pass besitzt. Wohin nur mit all dieser Zuneigung?

Früher hat man seine unfertigen Gedanken dem Tagebuch anvertraut, heute wird gebloggt. MySpace-Teenies tauschen auf ihrem virtuellen Pausenhof Panini-Bildli. «Angry arabs» machen sich Gedanken über die Bedingungen von Krieg und Frieden im Nahen Osten. Sportblogger untersuchen die Rundheit des Leders und berechnen Flaggenstatistiken. Wieder andere sinnieren über die conditio humana und verlieren sich in einer ausufernden Seelenschau. Warum auch nicht? Ich habe die Möglichkeit, im Netz zu publizieren, immer breit verstanden. Bloggen ist schliesslich ein individualistisches Phänomen.

Warum aber gibt es eine wachsende Zahl an Geschwätzigkeitsvirtuosen, die glauben, es sei ihre moralische Pflicht, über alles und jeden eine Meinung zu haben? Woher kommt das Heisse-Luft-Produzieren, das Phrasen-Geplätscher, die unaufhörliche Web-Schwadronade? Die Maxime scheint zu lauten: Wenn Du nichts weisst, sei wenigstens radikal subjektiv! Herr Frankfurt sieht den Grund für eine solche Haltung in einer weit verbreiteten Ansicht, welche Aufrichtigkeit höher stellt als Richtigkeit: Derzufolge ist Unvoreingenommenheit unmöglich und Tatsachentreue folglich zwecklos. Statt sich um eine richtige Darstellung zu bemühen, wende man sich heute dem Versuch zu, «eine aufrichtige Darstellung seiner selbst zu geben.»

Herr Schrillmacher, zum Abschluss ein persönliches Wort. Lassen Sie die späte Phase Ihrer Adoleszenzkrise hinter sich. Verschwenden Sie nicht ihr Talent, auch wenn Sie sich mit Ihrer Blogkritik auf dem Weg zu Kultstatus befinden. Lassen Sie die Schreibübungen und beginnen Sie mit ihrem Werk! Ich glaube nämlich, Sie haben Potenzial.

Ich unterschreib jetzt mal mit einem Pseudonym. Unter Jungautoren macht man das so.

Pink Panter

PS: Eine Definition des Fremdworts Potenzialismus habe ich im Internet gefunden. Natürlich in einem Weblog.

«Eine philosophische Lehre der angeboreren und realisierbaren, entdeckbaren oder entwicklungsbaren Möglichkeiten (kurz Potenzialen) der Menschen bezeichnet sich als Potenzialismus.»

Hier gehts weiter:

Kultblog: Blogkritik.ch

Bernetblog: Paul Ziermann bloggt gleich viermal

2 Kommentare

  1. axel sagt

    pourquoi un titre en français pour continuer en „schleu“? cela n’a pas de style!ou il y a de la haine il n’y a pas de plaisir…essaie de comprendre

  2. Frank Schrillmacher reagiert
    Nachträglich versucht man immer eine Kritik zu rechtfertigen. Aber ich will mich tadeln, nicht in der gleichen Rechtschaffenheit zu entarten wie der Michael Genova. Floskeln über Floskeln. Ich beabsichtige keinesfalls einem eitlen Hund auf den Schwanz zu treten. Aber was unvermeidbar ist, muss verarbeitet werden.
    Man kann auch übertreiben, aber auch überbewerten. Der Michael Genova parodiert meine Kritik und rutscht über die missverstandenen Anschuldigung Schwarzgeld mit Bücherlinks zu verdienen aus. Herr Genova, ich hoffe, dass Sie ihr Einkommen staatsgläubig versteuern. Anderseits empfehle ich Ihnen einen Steueroptimierer meines Vertrauens.
    Er, Michael Genova, sinniert leidenschaftlich über das Wesen des „Bullshits“. Woher rührt es tatsächlich, dass man (verklemmt) immer radikal-subjektiv eine eigene Meinung, zur Not eine aufgesetzte, vertreten muss? Ich beanstande den Menschen getreu meiner Terminologie eine „Selbstentfremdung“. Der Wahn des Individualismus‘ forciert diese Schimäre jederzeit sich „individuell“ und „einzigartig“ zu wiedergeben.
    Herr Genova, verzeihen Sie mir, aber ich bin ein Adoleszent. Ich kann mir solche Ausrutscher und Nestbeschimpfungen erlauben; ich bin jung sowie radikal – ich muss und will mich aufrührerisch sowie aufmüpfig inszenieren, denn sonst drohe ich im Spektakel ohne Stimme zu versumpfen. Seien Sie sich gewiss, dass ich ganz klammheimlich in der späten und dunklen Nacht an meinem ersten Oeuvre werkle.
    Mein Rat:
    Posaunen Sie in Zukunft stolz und sendungsbewusst ihre eigene Meinung! Die Menschen sehnen sich nach einer Leitfigur. Nutzen Sie diese Entmündigung der Menschen radikal aus!

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