Insight verreisst Medienweblogs

Blogging

Autsch! Im Medienmagazin Insight werden unter dem Titel «Senfstau im Cyberspace» Medienweblogs verrissen. Der DIENSTRAUM ist auch darunter. Der Artikel ist leider nicht online (Update: nun online) und ich zitiere deshalb aus dem Weblog von Thomas Gigold:

«So werfe man beispielsweise einen Blick in den ‹Dienstraum›. Optisch schön aufgemacht, entpuppt er sich als medienspezifische Presseschau ohne Anspruch auf Vollständigkeit. Eine Art Wühltisch ohne ernsthafte Kommentierung. Warum soll man da reinschauen? Oder das ‹Jonet-Medienlog›: Eine Sammlung mehr oder weniger medienspezifischer Zeitungsartikel. Die Herangehensweise ist eher chronistisch denn kritisch oder analytisch, und nach zweimaligem Besuch der Site stellt sich auch hier die Frage: Wozu? Genauso ergeht es einem beim ‹Medienrauschen›, einem eher technisch orientierten Weblog, das auf die Kooperation der Dateitauschbörse Kazaa mit dem Internetfernsprecher Skype genauso hinweist wie auf die Trennung von mediamarkt und Dieter Bohlen.»

Die Kritik von Autor Timur Vermes kommt aus einer journalistischen Perspektive. Es stimmt natürlich, dass der DIENSTRAUM eine Art Presseschau ist. Dass ich keinen Anspruch auf Vollständigkeit erhebe ist auch korrekt, sonst würde ich nämlich einen Branchendienst betreiben. Vermes hat offensichtlich den journalistischen Weblogeintrag gesucht, den medienkritischen Kommentar. Auch dieses Bedürfnis befriedige ich nur sporadisch. Dem Weblog als Wühltisch, der subjektiv ausgewählte Links aus der Medienwelt präsentiert, kann Vermes scheinbar nichts abgewinnen.

Immerhin für den Spindoktor und das Bildblog hatte Timur Vermes lobende Worte übrig: «Stefan Krempl und Daniel Delhaes weisen tagesaktuellen Meldungen unterschwellige Tendenzen nach. Oder sie quengeln, wenn die deutschen Medien in braver Einmütigkeit den EU-Bericht herunterspielen, in dem Deutschland bei der korruptionsbedingten Verschwendung von EU-Mitteln immerhin Platz zwei einnimmt.»

Der Spindoktor: Senfstau im Cyberspace: Weblogs aus der Medienszene

generation neXt: INSIGHT über Weblogs

onlinejournalismus.de: Alles Senfstau oder was?

woweezowee: Kritik an Medienweblogs

Update – Der Artikel ist nun online zugänglich:

INSIGHT-ONLINE: Senfstau im Cyberspace

13 Kommentare

  1. In der Differenziertheit des Umgang mit Kritik zeigt sich das Format. Meine Hochachtung 😉

  2. Gerade bei der gern gelesenen Lektüre von Dienstraum wie auch Medienrauschen frage ich mich, ob es nicht gerade das ist, was diese Blogs zu einem Teil auch ausmacht. Keine Überflutung, vielmehr eine Art gatekeeper im Dickicht der Mediennews, Blogs die man schnell erfasst, die gut verlinken und die last but not least Spaß bringen.
    Hoffentlich lassen sich die „Verrissenen“ nicht irritieren.

  3. Uwe L. Pawlowski sagt

    Das, was Timur Vermes schreibt, darf man keineswegs überbewerten. Seine Ausführungen kommen aus einer bestimmten Ecke, und seine Ansichten teile ich überhaupt nicht. Ich schätze mal, dass er sich vor neuen Konkurrenten fürchtet. Ich kenne dies aus eigener Erfahrung, als ich vor mehr als zehn Jahren die erste europäische Fachzeitschrift ins Internet (da gab es nur Logs, keine Blogs) brachte. Da hat es von meinen Fachkollegen echt geklatscht. Natürlich gibt es in der Blogszene viel Überflüssiges. Dennoch schätze ich manche Blogs sehr, weil sie von beachtlicher Qualität sind. Für journalistische Blogs sehe ich persönlich eine mittelgrosse Chance, um den „konventionellen“ Internetpublikationen die Stirn zu bieten. Auch die konventionellen Medien sind nicht immer über alle Zweifel erhaben. Zudem muss man den „Konventionellen“ auch nicht die Stirn bieten, sondern das Genre „Blog als Medium“ fördern. Nur nicht beirren lassen.

  4. Es ist wie mit den Konzertkritiken in den Zeitungen: Wer keine klassische Musik mag, sollte auch keine Kritik über ein Klavierkonzert schreiben. Passiert aber so oder so ähnlich täglich.

  5. Sicher ist es jedem Journalisten freigestellt, unser Tun und Handeln kritisch zu beleuchten. Wie wäre ich aber überhaupt auf den Artikel des Herrn Vermes gestossen, wenn nicht über den Dienstraum, der mich im übrigen immer wieder auf interessante Geschichten aufmerksam macht? Oder war das etwa gar die Absicht des tüchtigen Journalisten? In der Weblog-Welt viel Staub aufwirbeln, um so in köppelschem Stil ein möglichst grosses Interesse an seinem Artikel zu provozieren? Und was soll die Kritik am Jonet-Medienlog? Gibt es eine bessere Presseschau für medienspezifische Inhalte?
    Und zeichnet sich denn Journalismus wirklich dadurch aus, dass jeder auch nur halbkompetente Schreiber allem seinen Senf (sprich: Kommentar) beifügt? Besteht denn eine wesentliche journalistische Aufgabe nicht auch einfach darin, Informationen zu vermitteln?
    Michael, mach weiter so!

  6. Den Artikel habe ich mittlerweile von Holger (http://www.mediaschau.net) erhalten. Vielen Dank. Danke auch für die Kommentare. Irriteren lassen wir uns nicht. Nicht in einem Moment, in dem von Spiegel online erklärt wird, die Blogger hätten eine «kritische Masse» erreicht… 🙂

  7. Fritz Wepper sagt

    Also mit Verlaub, der Herr hat offenbar gar nicht verstanden, was beispielsweise das JoNet-Medienlog ist: Eine Presseschau die täglich einmal an die angeschlossene JoNet-Mailingliste geht. Und solche Leute dürfen für Insight schreiben… *tztz*

  8. Lucomo sagt

    Ich finde, alle Weblogbetreiber sollten sich bei Insight ganz ehrlich und aufrichtig für die „Verstopfungen des Internets“, die sie verurachen, entschuldigen. Schließlich gibt es auch heute noch keine Therapie gegen den Zwang, überflüssige Weblogs anzuklicken und lesen zu müssen. Und unbegrenzten Platz bietet das Internet ja auch nicht! Mein Modem wird auch immer langsamer! Der Speicherplatz im Internet geht zur Neige! Es muss aufgeräumt werden. Danke an Insight, dass die dieses Problem erkannt haben!

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