Terror-Berichterstattung

Medien / Politik

Zuviel oder zu wenig Aufmerksamkeit? In Deutschland warnte Wolfgang Schäuble gestern vor einer zu intensiven Berichterstattung über die Geiselnahme in Nordossetien, aus Russland kommen heute Berichte, dass die zwei russischen Journalisten Anna Politkowskaja und Andrej Babizkij an der Reise nach Beslan gehindert wurden. In einem Interview mit Spiegel Online äussert sich Politikwissenschaftler Klaus Segbers zum Kampf der Terroristengruppen um Medienöffentlichkeit.

Berliner Zeeitung: Moskau schweigt

«Zwei russische Journalisten, die für ihre Tschetschenien-Berichterstattung ausgezeichnete Reporterin der Nowaja Gazeta, Anna Politkowskaja und der Reporter des Radiosenders Radio Swoboda, Andrej Babizkij, wurden am Freitag offenbar daran gehindert, nach Beslan zu reisen um über die Geiselnahme zu berichten. Babizkij wurde auf dem Moskauer Flughafen Wnukowo verhaftet, von dem aus er nach Südrussland fliegen wollte. Spürhunde hatten bei der Gepäckkontrolle angeblich angeschlagen. (…) Anna Politkowskaja wurde am Freitag mit einer schweren Vergiftung ins Krankenhaus eingeliefert.»



Berliner Zeitung: Kein Ende der Gewalt

«Das ist plausibel, aber reine Spekulation, genauso wie es reine Spekulation bleiben muss, was zufällig ebenfalls am Freitag gemeldet wurde: dass die kämpferische Journalistin Anna Politkowskaja, die seit Jahren aus Tschetschenien berichtet, auf dem Flug in den Kaukasus vergiftet worden sei; sie erlitt einen Ohnmachtsanfall. Spekulationen sind die zwangsläufige Konsequenz einer unterdrückten Öffentlichkeit, wie sie die russische ist.»

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Klaus Segbers: «Heute stehen aber die verschiedenen Terroristengruppen weltweit in Konkurrenz. Ein Primärziel ist nun ihr Kampf um die Medienöffentlichkeit. (…) Sie wissen zumindest über CNN und al-Dschasira, welche Aktionen im Vordergrund stehen und wie effektiv sie gewesen sind. Und nach dieser Logik müssen sich die Terroristen mit ihren Aktionen immer weiter steigern, um zumindest für eine gewisse Zeit die Medienagenda dominieren zu können.»

taz: GIFT FÜR JOURNALISTIN, HAFT FÜR MENSCHENRECHTLER

NZ: Schäuble: Medien dürfen Terroristen nicht ermutigen

NZ: Russische Journalistin vergiftet

FTD: Terror-Berichterstattung löst Kontroverse aus

GfbV: Nach dem Ende der Geiselnahme von Beslan: Tschetschenien-Konflikt eskaliert weiter

1 Kommentare

  1. Auch wenn der Vergleich nicht ganz angemessen ist, aber nach 9/11 gab es kein anderes Thema. Insofern ist die Berichterstattung aus Russland noch sehr verhalten.

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