Inhalt oder Werbung?

Netzkultur / Online-Journalismus

Fabian Mohr beschreibt im folgenden Artikel die Problematik der Vermengung von Inhalt und Werbung bei Online-Angeboten. Der Autor nennt aktuelle Beispiele, unter anderen die neue Bücherseite der Netzeitung.
onlinejournalismus.de: Liebling, ich hab‘ die Nachrichten gekauft!
«Was bei gedruckten Qualitätspublikationen noch für einen mittelschweren Skandal sorgen würde – eine Literatur-Rubrik, die Verlags-PR 1:1 ins Blatt hebt – ist im Netz inzwischen salonfähig. (…)
Sponsorships werden in naher Zukunft eine Dimension erreichen, die wir vor kurzem noch für Satire gehalten hätten. Online bleibt – leider – ein Hinterhof des Journalismus.»

4 Kommentare

  1. dogfood sagt

    Vielleicht ist Fabian Mohr auch nur Opfer besonderer Sensibilität geworden. Denn die Verquickung von Offline-Medien hat es schon immer gegeben und nicht immer sind Aufschreie durchs Land gegangen.
    Nehmen wir das ZDF mit „Wetten dass“ oder der gesamten Gesundheits-Redaktion die in Veruf geraten ist. Von Konzernen bezahlte Berichte im „Heute-Journal“ wurde auch schon desöfteren berichtet (Stichwort: „grüner Punkt“)
    Oder nehmen wir n-tv, wo mitunter auch nur schwer als Werbesendung erkennbare halbstündige Magazine von Finanzinsituten oder Telekom ausgestrahlt werden, oder wo auch Teile der Tele-Börse ins Gerede kommen an der Ausstrahlung bestimmter Portraits auch ein gewisses Interesse zu haben.
    Dann gibt es die schleichende „PR“ über die Bande… Wenn Redakteure bei Produkttests wg. Ahnungslosigkeit oder Überarbeitung ihre Tests anhand des vom Unternehmen mitgesandten „Reviewers-Guide“ zusammenbastelt, inkl. der gleich mitgelieferten Testbeispiele.
    Oder die diversen Zeitungsredaktionen der Ressorts „Automobil“ und „Reisen“, deren Ausflüge ins Land „Korruptistan“ auch schon Legende sind.
    Von den ganzen Cross-Promo-Geschehenissen in den Medien mal ganz abgesehen.
    Das hat es schon „immer“ gegeben. Warum sollten Online-Medien eine Ausnahme spielen?

  2. john doe sagt

    Weil
    1.) der E-Commerce unmittelbar an der Anzeige dranhängt. Beispiel Bücherportal der Netzeitung: Hier kann gleich gekauft werden. Das funktioniert so in anderen Medien eben nicht. Deswegen grenzt es an glatte Verarschung, wenn man seinen Lesern eine vermeintliche redaktionelle Leistung unterjubelt, die gar keine ist.
    2.) mal eine Trennung von Redaktion und Werbung vorgenommen wird, mal nicht: Beispiel n-tv.de: Über vielen Bannern steht das Wort „Anzeige“, über anderen Bereichen eben nicht. Das macht das ganze noch undurchschaubarer.

  3. Wenn ich in meiner Tageszeitung eine Rezension lese und erst am Schluss den in Klammern vermerkte Hinweis «(Verlagstext)» sehe, dann fühle ich mich in die Irre geführt.

  4. dogfood sagt

    Als extremes Beispiel mal die erste Ausgabe des „MX Magazin“. Das Heft ist ein Objekt des freien Journalisten Stefan D’Amore. Nachdem dieser bei diversen Verlagen mit diesem Projekt nicht landen konnte, zog er das Magazin im Eigenverlag durch.
    Schwerpunkt des Magazins sind die Software-Produkte der „MX“-Line von Macromedia (MM) (Authoring, Webdesign, Internet-Applications).
    Das Magazin trat vor einem Jahr mit dem Claim „das erste deutsche unabhängige Magazin für Macromedia-Anwender“ an.
    Mit der Unabhängigkeit sieht es so aus: Macromedia ist größter Werbekunde des Blattes. In den Macromedia-eMail-Newsletter an Kunden wird für das MX-Magazin geworben. Eine zeitlang gab es als Lockangebot für den kauf der MX-Software von macromedia „obendrauf“ ein Jahresabo „MX Magazin“.
    Das Magazin besteht z.T. aus Beiträgen aus der Macromedia-Website und die beigelegte CD enthält u.a. Demo-Versionen von MM.
    Ein Großteil der Redakteure bzw. freien Mitarbeiter sind alte Kämpen der Szene und stecken in Beta-Listen von Macromedia und verdienen ihr Geld u.a. mit Bücher und Seminaren zu den MX-Produkten.
    Man kann sich also leicht vorstellen, was passiert wenn so ein Mitarbeiter irgendwann von MM aus dem Kreis der Beta-Tester rausgekegelt wird. Wissensvorsprung dahin. Man kann sich leicht ausmalen was mit dem „unabhängigen“ Magazin passiert, wenn MM die Nabelschnur zum Magazin abtrennt…
    On the top gab es in der ersten Ausgabe eine gelungene Seite zu lesen. Direkt neben einem Artikel war in exakt der gleichen Aufmachung wie das Magazin ein Interview mit einem Geschäftsführers eines Schulungsunternehmens zu lesen. Unten, am Seitenrand war dann „Werbung“ vermerkt.
    Ja, Online ist unübersichtlich. Aber eben nicht nur online…

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