The Economist: Die liberale Hochburg

Medien

Die Zeit porträtiert den britischen Economist als das «Blatt der globalen Führungsschicht»:
Die Zeit: Liberal bis in die letzte Zeile
«Der Economist ist das letzte große Printmedium, das seine Artikel ohne Namensnennung der Autoren veröffentlicht, so wie die Times das mehrere hundert Jahre lang getan hat und der Hamburger Spiegel – von Ausnahmen abgesehen – bis in die neunziger Jahre hinein tat. (…)
‹Margaret Thatcher trieb den Staat zurück und bekämpfte „die antidemokratische Machtfülle in den Händen der Gewerkschaften›, sagt [Chefredakteur] Emmott, und die Monarchie ‹ist die Antithese dessen, wofür der Economist steht: Demokratie, Freiheit und der Lohn für eigene Leistung›.»

1 Kommentare

  1. dogfood sagt

    ich habe gestern auch den ZEIT-artikel gelesen und bin leidenschaftlicher ECONOMIST-leser.
    im großen und ganzen ist der artikel in der ZEIT korrekt, und trotzdem fürchte ich das unbeleckte leser ein schiefes bild vom ECONOMIST bekommen.
    das eine hängt mit dem wort „führungsschicht“ zusammen. für die globale „führungsschicht“. das suggeriert komplizierte und trockene geschichten, über themen die niemanden interessieren.
    abgesehen vom business-teil, der15-20% der zeitschrift ausmacht, sind die restlichen themen aber durchaus auch für die allgemeinheit interessant und verständlich. man unterscheidet sich durch den SPIEGEL dadurch, das man nicht versucht irgendwelche themen-popanze aufbaut, weil sie gerade hip sind, sondern lieber „weltspiegel-artig“ themen aus anderen ländern aufgreift. es wird kein 10-seiten-feature geben, um das „phänomen ‚deutschland sucht den superstar'“ zu „erklären“.
    der zweite punkt der im artikel m.E. den ECONOMIST in schieflage setzt, ist die suggestion dass es sich beim ECONOMIST um ein ideologisches kampfblatt handelt, für den liberalismus.
    richtig ist, das in den leitartikeln („leaders“) eine recht einheitliche linie verfolgt wird, die diesen grundsätzen folgt. die artikel sind da durchaus differenzierter. selbst in den artikeln in denen der (wirtschafts-)liberalismus verfolgt wird, wird die ideologie nicht per dampfhammer, sondern abwägend eingeschleust.
    ein paradebeispiel ist das „handling“ des irak-krieges. es gab eine klare linie des editorials: eintreten FÜR den irak-krieg, um die freiheit in den irak zu bringen und einen diktator abzusägen.
    in den artikeln im innenteil waren aber sehr viel nuanciertere töne zu vernehmen und wurden sehr viele belege geliefert, warum man gegen den krieg sein kann.
    ich kenne keine andere zeitschrift die versucht derart sportiv meinungsbildend zu sein. der versuch durch argumente und fakten zu überzeugen, und nicht weil man per se auf der richtigen seite steht.
    wenn ich den ECONOMIST öffne, weiß ich nicht, was mich als meinung und als inhalt erwartet. das unterscheidet ihn angenehm vom SPIEGEL, der gegen den ECONOMIST wie ein „flamer“ wirkt.
    dass der ECONOMIST darüberhinaus mit ironie und süffisanz witziger als der SPIEGEL ist, macht ihn nur noch besser…
    BTW: man sollte sich nicht vom kiosk-preis 4,60 EUR und dem dünnen umfang abschrecken lassen. das heft enthält wesentlich weniger werbung und im schnitt brauche ich für das heft durchaus eine woche zum lesen, ist also durchaus gehaltvoll.

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