BLOGS! – Literatur und Journalismus im Internet

Blogging


Im März 2004 erscheint im Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag ein neues Buch über Weblogs. Herausgegeben wird es von Don Alphonso , Informant von Dotcomtod.com und Autor von «Liquide» und von Kai Pahl.
Schwarzkopf & Schwarzkopf: BLOGS! Die Weblogs – Literatur und Journalismus im Internet
«Früher wurden die Blogger von ‚etablierten‘ Journalisten als Amateure abgetan. Das arrogante Lächeln ist ihnen vergangen. Medien verlieren im Internet die junge Zielgruppe an die Bloggosphäre. Dort herrscht Meinungsfreiheit, ohne Rücksichten auf Werbekunden oder Zielgruppen.
Die Zwänge des Journalismus gelten für Blogs nicht. Die Leser schätzen sie als Alternative zum Mainstream. und während klassische Medien unter Kostendruck oft schlampig recherchieren, sind Blogger vielfach Spezialisten und demontieren die Onlineredaktionen mit knallhartem Fact-Checking.»
Wer alles mitmacht: Buchcover
Zukünftige Website?: Blog!Bar

17 Kommentare

  1. Ich kenne mich in der amerikanischen Szene nicht aus. Aber in Deutschland scheinen mir die in Blogs verbreitetsten journalistischen Formen die Kurznotiz und die Kolumne zu sein.
    Sicher, den gut recherchierten Langartikel „mit knallhartem Fact-Checking“, der die Arbeit der professionellen Online-Redaktionen demontiert, gibt es auch hierzulande – aber wohl selten von Otto-Normalblogger…

  2. Weblog-Buch: „BLOGS! Die Weblogs – Literatur und Journalismus im Internet“

    „BLOGS! Die Weblogs – Literatur und Journalismus im Internet“ lautet der Titel des Buches von Don Alphonso und Kai Pahl, demnächst wohl auch zu finden auf blogbar.de.
    Stichworte: „fantastisch…

  3. Das sehe ich ähnlich. Für einen Weblog-Journalismus «mit knallhartem Fact-Checking» fehlen nach wie vor die Beispiele.

  4. Nur mal schnell eines, mehr gern auf Anfrage.
    http://www.dotcomtod.com/modules.php?name=News&file=article&sid=10575
    Soweit ich das sehe, gibt es das ziemlich häufig – meine Sichtweise kommt sicher auch daher, dass Dotcomtod seit Jahren in dieser Hinsicht arbeitet. Und ich denke nicht, dass wir nur Otto Normalblogger haben.
    Ich würde übrigens nicht so platt argumentieren wollen, dass das DER neue Journalismus ist. Es ist eine parallele Entwicklung, die trotzdem dem Journalismus erhebliche Probleme bereitet: Es sagt Nutzer, es zerbricht das „Gatekeeper“-Monopol der Journalisten, es kannibalisiert die Medien, indem die Inhalte neu aufbereitet werden – und jeder Click bei einem Blog ist einer weniger bei den „Profis“. Da kommen eine Menge von Faktoren in der momentanen Medienkrise zusammen, die m.E. (als professioneller Journalist und Journalisten-Ausbilder) die Medien an ihren schwachen Punkten erwischen.

  5. O.k., zu deinem Beispiel. Der etablierte Journalismus verzapft Mist, und der Blogger deckt es auf. Feine Sache, keine Frage, aber auch dies ist nicht der umfassend recherchierte Langartikel, der das Thema einem Außenstehenden (wie mir etwa) journalistisch aufbereitet verklickern würde, sondern es ist ein (zweifellos nützliches) Fragment, wie es (auch formal, wenn ich mir den „threadorientierten“ Aufbau des Kommentarsystems anschaue) ebenso in einer Newsgroup zur Sprache kommen könnte, oder?

  6. dogfood sagt

    @andreas: dein argumentsstrang wackelt und in konsequenz verkleinerst du das „angriffsziel“ in dem du z.B. den journalismus auf „etabliert“ und „umfassend recherchierten langartikel“ beschränkst. dass dabei dann weblogs, dotcomtod und konsorten für zu leichtgewichtig befunden werden, geschenkt.
    dummerweise bleiben dann auch 99,5% aller journalistische erzeugnisse auf der strecke, tendenz steigend.
    wenn man einen *teil* der weblogs nimmt und ihn gegen journalismus stellen will, so nähern sich in sachen inhalt/niveau beide rapide auf das gleiche niveau. die einen von unten, die anderen von oben.
    wenn dann die nivellierung stattgefunden hat, wer besitzt angesichts der infrastruktur (vernetzung, kommentierung, geschwindigkeit des medium) das größere potential besitzen?
    natürlich wird dieses nicht das ende des journalismus oder von zeitung, radio u.ä. bedeuten. die grenzen werden verschwimmen. im guten wie im bösen.
    eine zeitung wie die SZ wird sich etwas einfallen lassen müssen, wenn sie weiterhin papier verkaufen will, dass zu einem gutteil aus umformulierten agenturmeldungen besteht.
    der SPIEGEL wird sich was einfallen lassen müssen, wenn der online-ableger an wichtigkeit gewinnt, jener aber mächtig die qualitätsschraube runterdreht, sei es in sachen lektorat/faktencheck, sei es in sachen boulevardisierung.
    dies, und das sollte nicht vergessen werden, ist nur ein teilaspekt des bloggings, das nicht per se journalistisch ist.
    re: „wie es […] ebenso in einer Newsgroup zur Sprache kommen könnte“
    klar könnte es. genauso wie es aber unpraktikabel ist, eine zeitung auf recht haltbare steinplatten zu meißeln, hat es seine gründe weswegen newsgroups nur einen speziellen kreis bedienen und geschichten wie dotcomtod oder fuckedcompany andere formen angenommen haben.

  7. @dogfood: Was die Einschätzung der Qualität des etablierten Journalismus betrifft, sind wir vermutlich näher beieinander, als du denkst.
    > leichtgewichtig
    Du überschätzt meine Geringschätzung 😉 Ich halte Blogs nicht für leichtgewichtig. Schau, ich hab, das muss 1996 oder 97 gewesen sein, meine erste kleine Homepage gebaut (Gott sei ihrer Seele gnädig). Und ich fand das Internet einfach hinreißend. Ein Medium, in dem jeder einfach so publizieren konnte! Eine kleine Subkultur blühte auf mit Mailinglisten, Webrings und Awards, die man sich wechselseitig stolz an die Brust heftete. Meine Helden waren Leute wie Claudia Klinger oder (damals schon) Ralph Segert, die bewiesen, dass man im Web Dinge veröffentlichen konnte, die in Kreativität, Form und Inhalt den Qualitätsmaßstäben der etablierten Medien Paroli bieten konnten. Die Großen werden sich warm anziehen müssen, dachte ich mir. Und dann schwappte die große Kommerzialisierungswelle über das Netz herein. Nach den Flower-Power-Homepage-Bastlern rissen die Kaufleute (oder nenn sie schicker dotcoms) die Deutungshoheit an sich.
    Ja, o.k., ich red schon wie der Großvater vom Krieg 😉 Versteh mich nicht falsch, ich glaube nach wie vor an die subversive Kraft des Internet. Aber Internet, das ist für mich eben Newsgroups und Foren und Mailinglisten und traditionelle Homepages und Blogs. Aber nicht Blogs allein. Im Prinzip macht eine Blog-Software heute das möglich, was mir persönlich mit meinem Golive 1.0 nach ein paar Monaten einfach zu mühsam war: Meine Dokumente immer wieder komfortabel zu erweitern, zu archivieren und und und… Viel mehr Witchcraft sehe ich darin nicht.
    > „dies, und das sollte nicht vergessen werden, ist nur ein teilaspekt des bloggings, das nicht per se journalistisch ist.“
    Ja, genau das geht mir in der journalistisch geprägten Debatte oft ein wenig unter. Aber wenn ich auf dem Cover lese, dass zum Beispiel siebenviertel und Der Kutter zu eurer Autorengruppe gehören, hoffe ich einfach mal, dass etwas weiter gefasste literarische und tagebuchartige Aspekte mit reinkommen.
    > weswegen newsgroups nur einen speziellen kreis bedienen
    Ehrlich gesagt: ich kannte dotcomtod bis gestern nicht, aber wenn ich mal durchklicke, meine ich, dass es als klassisches Forum vermutlich exakt dieselbe Zielgruppe bedienen könnte wie als Blog. Da lasse ich mich aber gerne eines Besseren belehren…

  8. dogfood sagt

    damned. da kann man nicht gegenargumentieren.
    re: „Die Großen werden sich warm anziehen müssen, dachte ich mir. Und dann schwappte die große Kommerzialisierungswelle über das Netz herein. Nach den Flower-Power-Homepage-Bastlern rissen die Kaufleute (oder nenn sie schicker dotcoms) die Deutungshoheit an sich.“
    die grundmuster sind bekannt, sie wiederholen sich. ich erinnere an die naivität und visionen der ersten WIRED-jahrgänge, an den traum von „informations wants to be free“, einer umfassenden demokratisierung der gesellschaft durch informationsfreiheit.
    inzwischen wissen wir, ist es anders gekommen.
    es wird vermutlich auch mit der weblog-szene passieren. noch ist es nicht vollzogen, erste versuche (suma AG, 20six) sind gescheitert oder hinken hinterm soll her. aber spätestens wenn die 800pfund-gorillas wie AOL und microsoft sich hinterklemmen, wird es das gewesen sein.
    aber, und das ist eben das ganz grosse ABER…
    der fall des altgewohnten journalismus erfolgt zu einem gutteil aus wirtschaftlichen zwängen. weblogs sind nicht der grund, aber das gegengift.
    weblogs besitzen alle mechanismen die nötig sind, um eine öffentlichkeit für unabhängige inhalte zu schaffen. weblogs sind damit die konsequente weiterführung des alten grundgedanken des webs (netzwerk zum austausch von (wissenschaftlichen) inhalten).
    sie bergen damit das potential einer medienrevolution (hier schmiege ich mich dem duktus des waschzettels an) vergleichbar mit dem buchdruck: dem entreißen von inhalten einer kleinen gruppe von deutern und schreibern. dem verbreiten von inhalten an eine große zielgruppe.
    größenwahn? nein. vielmehr die hoffnung eine chance nutzen zu können.
    es gilt daher nicht in ehrfurcht vor den gorillas zu verharren, sondern so lange es geht die deutungshoheit auszunutzen und so viele leute wie möglich mit der entsprechenden medienkompetenz auszustatten. der punkt ist dabei auch leute zu bedienen, abseits der bereits „eingeweihten“. in der c’t den techfreaks die eier mit trackbacks zu kraulen, mag zwar anerkennendes experten-nicken ernten. für das ziel der „deutungshoheit“ ist aber ein knackiger artikel in der BRIGITTE wirkungsvoller.
    wie knackig er sein darf ohne seine autorität und glaubwürdigkeit zu verlieren, wird immer streitpunkt sein. das sehen wir ja jetzt sehr schön am buch, wo einige probleme mit dem lärmenden waschzettel oder kratzbürstigen auftritt von don haben.
    es ist schon traurig dass die leute, wenn sie schon die möglichkeit haben radiosendungen zu gestalten oder blogger aus aller welt für zwei tage zusammenzuziehen, sich die chance der aussendarstellung entgehen lassen und, mit verlaub, onanie betreiben.
    re: „ich kannte dotcomtod bis gestern nicht, aber wenn ich mal durchklicke, meine ich, dass es als klassisches Forum vermutlich exakt dieselbe Zielgruppe bedienen könnte wie als Blog. Da lasse ich mich aber gerne eines Besseren belehren…“
    defintionssache. wir (ich?) verglichen mit „newsgroups“ a.k.a. usenet. newsgroups <> foren.
    newsgroups sind nicht für die massen. stichwort: spezielle software, stichwort: einrichten eines newsservers bzw. adressieren eines newsservers.
    zwar gibt es web-gateways für newsgroups, aber dann haben wir für den unbeleckten user etwas was wie forum aussieht, wie forum schmeckt und eigentlich auch ein forum ist.
    ob dotcomtod nun ein forum oder ein blog mit kommentar-funktion ist, halte ich, sofern man *mich* nicht eines besseren belehrt, für eine aufgesetzte diskussion, da „entscheidend ist, was hinten rauskommt“, und nicht die software die dahinterklemmt.
    der user will inhalte haben, will auf diese leicht zugreifen können und interessiert sich nicht ob es movableType, GoLive, phorum oder AOL 11 ist, solange nicht kleine indische kinder knechten müssen..

  9. Um es mal aus dem Wiener Caffeehaus zu sagen: Lieber wähne ich zu gross, als dass ich zu klein grüble.
    Naja, und ansonsten sind Werbetexter auch nicht mehr das was sie mal waren, siehe das Niveau bei lazerte.de. Oder hab ich mal aus Versehen die Klitsche des Herrn gefinalt? 🙂

  10. > aber spätestens wenn die 800pfund-gorillas wie AOL und microsoft sich hinterklemmen, wird es das gewesen sein.
    Schöner kann man es kaum sagen.
    > der fall des altgewohnten journalismus erfolgt zu einem gutteil aus wirtschaftlichen zwängen. weblogs sind nicht der grund, aber das gegengift.
    Diesen Satz auf den Rückumschlag eures Buchs, und ich bin entzückt 😉
    > Größenwahn
    Wir können alle nicht aus unserer Haut. Ich selbst verdiene meine Geld seit mehr als 15 Jahren als Werbetexter, und glaube mir, ich habe in dieser Zeit auf Betreiben meiner Kunden vieles geschrieben, was ich nach meinem persönlichem Geschmack knapp an der Grenze zum Größenwahn verorten würde. Aber den Ankündigungstext eures Verlags (und nur den hab ich kritisiert, weil ich das Buch ja aus bekannten Gründen noch nicht in Händen hatte) halte ich wirklich für sehr, sehr vollmundig. Stichwörter: „übernehmen“ und „erobern“.
    Ich finde, wer so die Windmaschine anwirft, der muss einfach auch mal mit der Vokabel „Größenwahn“ als Gegenwind leben können 😉

  11. naja, also so pauschal würd ich das mit den „Fact-Check“ nicht abhaken – was ist denn mit all den themen-spezifischen blogs, z.b. Martin Volkels http://web-blog.net oder Alp Uckans http://uckan.info ? Immerhjin arbeitet zumindest einer (oder auch beide? bin ich mir nicht sicher) der genannten personen in eben dieser branche, welche er in seinem blog auch abdeckt. andere beispiele wären da auch vielleicht noch dr. web (http://www.drweb.de ) oder das MEX blog (http://www.m-e-x.de/blog/ )…
    cu, w0lf.
    ps: ich glaube, der url-replacer hier funzt nicht gescheit: der nimmt auch klammern bei den urls (am ende) mit .. sollte an sich nicht gehn (wird nirgendswo verwendet – sind klammern nicht sogar „verbotene“ zeichen?) – beispiel: (http://alltagsgrauen.de)

  12. Ich finde auch, dass Weblogs eine «Media-Watch-Dog»-Funktion übernehmen können und im besten Fall durch «knallhartes Fact-Checking» einen falsche Behauptung korrigieren können. Dass die traditionellen Medien oft nur vorgeben, unabhängig zu sein, wissen wir.
    Wer überwacht aber die Unabhängigkeit eines Weblogs (die Unterscheidung zwischen Kommentar und Nachricht fällt in einem Weblog oft weg/ist nicht gewollt/liegt nicht in der Natur von Weblogs etc.)?
    Dazu der folgende Artikel aus der FAZ:
    FAZ: Sie haben ein Modem? Ich habe eine Meinung!
    «Denn selbst wenn in Zeitungskommentaren oder auch in der Wertung von Artikeln politische Ausrichtungen erkennbar sind, so gilt doch der Grundsatz der objektiven Berichterstattung. Und – bislang ein hehres Prinzip des amerikanischen Journalismus – die strikte Trennung von Nachricht und Kommentar. Solche Prinzipien kümmern die Blogger wenig.»
    http://www.dienstraum.com/archiv/002662.php

  13. dogfood sagt

    zwei aspekte finde ich an der diskussion „journalismus vs. weblogs“ genauso merkwürdig und interessant.
    1/ warum auch immer: in der öffentlichkeit werden weblogs immer gegen den journalismus gestellt. weblogs sind aber nichts anderes als ein schriftliches medium, sind also „konkurrenz“ für alles schriftliche inkl. literatur/prosa. ist literatur nicht sexy genug? oder läßt sich literatur nicht so einfach festnageln wie journalismus, in dem es „nur um fakten geht“?
    womit wir bei
    2/ wären. die diskussion geht immer davon aus, dass es die knallharte trennung gibt: das eine ist prosa/belletristik, das andere journalismus. was macht man aber mit solchen leuten wie gerd ruge, alistair cooke oder peter von zahn? das was die alten herren gemacht haben/machen, ist kein „fact-checking journalismus“, sondern irgendwas was diffus zwischen prosa, dokumentation und journalismus schwebt.
    der vergleich fällt mir immer wieder ein, weil ich siebenviertel schon desöfteren gesagt habe, das sein zeug auf gleicher augenhöhe mit den herren steht.
    eine derartige „dokumentation“ des tages gibt es in keinem anderen medium. punkt. die bilder die new yorker seinerzeit bei 9-11 in ihrem weblog reingestellt haben (z.B. die berge von papieren die aus manhattan quer über den hudson in den vorgarten geweht sind), waren fassbarer als alles was ARDZDFRTLSAT1 gebracht haben.
    irgendwo wurde ob der fehlenden formalen rahmen von blogs die augenbrauen gehoben. den gibt es nicht und ich kann damit leben. wenn ein eintrag eines macromedia-produktmanagers zu einem sturm der entrüstung und über 150 teils bitterböse kommentare auf den eintrag erfolgen, dann ist das formal völlig kraut und rüben, chaos, ungehemmt aber aussagekräftiger als jeder flash MX2004-test den ich bislang in einder deutschen zeitschrift gelesen habe, sei es von redakteuren anhand der pressemappe erstellt, oder sei es wirklich guten flash-leuten, die sich aber der redakteure und macromedia, auf deren betatester-liste sie stehen, wegen, zurückhalten.
    nicht zu vernachlässiger punkt für die qualität der rezeption von weblogs ist die „medienkomptenz“. in einem anderen beitrag hier im DIENSTRAUM wurde gefragt „wer überwacht die weblogger“.
    am besten der leser selber. das muss er aber gegenüber den webloggern genauso tun, wie gegenüber den „klassischen“ medien. die zeitungen haben ihren tom kummer gehabt, weblogger hatten ihre „kaycee nicole“ (http://www.rootnode.org/article.php?sid=26) gehabt.
    jegliche formalisierte „kontrolle“ ist entweder so schwach, dass sie ausgehebelt werden kann, oder so stark, dass sie den informationsfluß hemmt und/oder die privatsphäre verletzt (siehe z.B. die idee einer zentralisierten comments-verifikation http://lumma.de/mt/archives/000666.html , ein schelm der sich bei der eintragsnummer etwas böses denkt 😉 )
    jeder muss die kontrolle bei sich ansetzen, sich ein netzwerk von vertrauenswürdigen medien schaffen (qualität) und eine breite rezeption (quantität) besitzen (zum abgleichen).
    dies sind, wie gesagt, letztendlich die mechanismen die für weblogs genauso einsetzt werden müssen, wie in der klassischen medienlandschaft.
    es gibt bei der ganze chose ein gesellschaftliches problem was aber so gut wie nie angesprochen wird: medienkompetenz ist eine frage der erziehung, bildung und des geldes. mit anderen worten: es wird viele geben, die diese nicht besitzen bzw. bilden können.
    die medien riskieren in einem starken maße die gesellschaft zu teilen. nur wer entsprechende medienkompetenz besitzt, mit computern umgehen und daten und informationen interpretieren kann, wird „aufsteigen“ können.
    wird die trennung irgendwann so stark, dass ein abgeschottetes „raumschiff“ der medienkompetenten entsteht, die nur noch über sich berichten und lesen (böse zungen, not me, werfen antville-bloggern ähnliche symptome der geschlossenheit vor) und „die anderen“ vergessen?
    daher hege ich große sympathie für den gedanken das blogs alles können, alles dürfen, „punk“ sind. ich habe keine probleme mit den pubertierenden teenies auf 20six die in einem per passwort-geschützten bereich pferdebilder und jungs-geschichten reinstellen.
    not my piece of cake. aber ich weiß dass die kids am köder nagen. und wenn es mir gelingt sie auch noch an den haken zu bekommen…

  14. Mal ein Bsp. aus der Praxis: man stelle sich vor, ein Konzern beherrscht einen bestimmten Markt, weil er 1. bestimmender Marktteilnehmer ist und 2. selbst die einzige Zeitschrift o.ä. über eben diesen Markt herausbringt. Alle anderen Marktteilnehmer ordnen sich diesem Diktat unter im Sinne von „Live and let live“. Natürlich greift der Konzern auch alle Anzeigeneinnahmen der anderen Marktteilnehmer in der hauseigenen Zeitschrift ab.
    Verbreitet werden in dieser Zeitschrift o.ä. aber nur gefällige Artikelchen, unangenehme Meinungen, die neue Marktentwicklungen aufgreifen, die der big brother aber noch nicht begriffen hat, werden unterdrückt, gewisse Spezialisten übergangen etc.
    Nun kommen ein paar Leute, allesamt Spezialisten, zusammen und sagen sich: „So geht es nicht weiter“ und wollen einen eigenen Blog eröffnen. Nur zum Spielen mit Meldungen und Meinungen, nicht zum Geldverdienen oder sich Wichtig-machen. Bald trauen sie ihren Augen nicht mehr. Allein die Ankündigung, dass da ein Speziblog eröffnet, sorgt für einen Krawall ohne Ende beim Konzern mit enorm hektischer Betriebsamkeit. Die dazugehörige „Szene“ mit Verbänden etc. dreht völlig durch, weil sie einen erheblichen Bedeutungsverlust auf sich zukommen sieht.
    Dann wenden sich die anderen Marktteilnehmer an die Leute vom Speziblog und sagen: „Na endlich! Das wurde aber auch Zeit! Endlich mal ein richtiges ungefaktes Sprachrohr!“ Und wollen bereits Anzeigen schalten (in einem Blog!).
    Ein erster Test der Jungs vom Speziblog auf einer normalen Webseite ergibt, dass sie mit ihrem Blog ziemlich genau die Clickrate erreichen (btw sauber aufgteilt nach PI, V etc.), die die Zeitschrift o.ä. vom Konzern als Auflage hat. Weitere mdl. u. schriftl. Reaktionen zeigen: fast alle Marktteilnehmer lesen mit, auch die Heinis vom grossen Konzern, die sich intern zusammenrotten und heulen: „Was passiert denn da?“
    Es handelt sich übrigens um einen medienaffinen Wirtschaftszweig mit Milliardenumsätzen, börsennotierten Unternehmen etc.

  15. Antje Bultmann sagt

    Hallo,
    habt Ihr schon vom neuen „Presseplaner“ für Journalisten gehört? Na dann wird es aber Zeit:
    http://www.presseplaner.info/website.php
    Schaut euch das mal an. Ich war so überrascht, dass es so etwas gibt, speziell für Journalisten, dass ich den Planer hier mal ansprechen muss.
    Handlich – informativ – schick !
    Oder? Was denkt ihr darüber?
    Es grüßt euch,
    Antje Bultmann
    antjebultmann@lycos.de

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