Weblogs & Journalismus

Blogging / Journalismus

Sind Weblogs Journalismus?
Die Postings von Worldwideklein und Mike Sanders haben mich angeregt eine kleine Übersicht zum Thema Weblogs & Journalismus zusammenzustellen.
Bei Weblogs geht es für mich per definitionem nicht um objektiven Journalismus. Man muss die Form verstehen. Die Inhalte sind oft Meinungen, Essays, Links zu interessanten Sites und Artikeln. Weblogs sind zum Vornherein ganz etwas anderes als Journalismus in den traditionellen Medien. Deswegen meint Dan Gillmor:“The point may not be whether blogs are journalism. The point is whether blogs supplement traditional journalism, and vice versa, in ways that were not possible before the Net. And the answer is, obviously, yes.“ Im besten Fall ergänzen Weblogs traditionelle Medien. Muss aber nicht zwingend so sein. Denn das Problem bleibt bestehen, dass es wie bei den Boulevardzeitungen auch Weblogs gibt, die nichts Nützliches oder gar Unwahrheiten verbreiten.
» Nothing But The Truth: Wg. Journalismus
Konstantin Klein: „Nix gegen Geschwindigkeit. Und auch nichts dagegen, dass Menschen ohne Journalistik-Diplom (ich habe übrigens auch keins) zur Verbreitung von Nachrichten beitragen. Wenn’s denn Nachrichten sind. Oder klar als solche erkennbare Meinung. Oder Satire oder jede andere nicht-nachrichtliche Form der Veröffentlichung.“
» Klartext: Jeder ein Journi
Nick Lüthi: „Dass Blogger oft viel Unsinniges zu verbreiten versuchen, liegt auf der Hand. (Weshalb auch sollten sich Weblogs von den übrigen Bereichen des Internets unterscheiden?) Weblogs waren allerdings nach dem 11. September für das journalistische Arbeiten durchaus nützlich und informativ. Während viele US-amerikanische Medien sich in an Selbstzensur grenzender Berichterstattung und Patriotismus übten, waren in Weblogs Kommentare zu finden, die sonst wohl unveröffentlicht geblieben wären.“
» Dan Gillmor’s eJournal: Blogging’s New(s) Role
Dan Gillmor: „The point may not be whether blogs are journalism. The point is whether blogs supplement traditional journalism, and vice versa, in ways that were not possible before the Net. And the answer is, obviously, yes.
I took a crack at the subject back in late September in this column, noting that weblogs and — this is crucial — e-mail were vital sources in the days after Sept. 11. My feelings have only deepened since then. We’re moving into something new, and the possibilities are limitless.“
» Dan Gillmor’s eJournal: Webloggers offer views media can’t
Dan Gillmor: „An interactive medium can alter the framework and turn journalism into something resembling a seminar or even a conversation. That’s the model I’m trying to adopt through my own weblog (www.siliconvalley.com/dangillmor), where I sometimes invite readers to tell me what they think about something I’m working on. Does this make for better or worse journalism? Better, I hope.(..)
Some qualities of journalism should not change. Professional journalists will always have an obligation to bring to their work skepticism, hard-edged reporting, a mania for accuracy, a commitment to fairness.“
» The Doc Searls Weblog: Webloggers offer views media can’t
Doc Searls:“What I like about blogging is that it isn’t Journalism, even though it is quite literally journalism. I have plenty of other work I’m paid to take seriously. So even if I’m serious when I write stuff here, I can’t waste time being serious about it.“
» JD’s Blog: News media try to get a handle on weblogs
„Do you think there is a danger in the general public mistaking weblogs for ‚real‘ or traditional journalism?“
Joseph D. Lasica: „No. It’s true that some people are too credulous when it comes to information they’ve come across on the Internet, whether it’s a weblog or a hoax e-mail. They’ll learn quickly, by experience, which sources to trust. The news media need to abandon the notion that they’re the only ones with a monopoly on the truth. I rely on a circle of a half-dozen amateur journalists who publish weblogs, and I trust them infinitely more than I do some media outlets.“
» Keep Trying: What is Opinion Journalism?
Mike Sanders: „I am wrestling with a problem. I love to read the opinions in newspapers, in magazines, on web sites and on blogs. But the other day, Andrew Sullivan blogged the term „Opinion Journalism“ when referring to his blog (or mezine or website):
I think we’re pioneering together a new kind of opinion journalism, as well as a new relationship between writer and readers. So what is Opinion Journalism and what is blogging’s relationship to Opinion Journalism?“

4 Kommentare

  1. Was durch Weblogs geschieht, ist unter anderem eine weitere mediale Erweiterung der Sinne. Gerade die Copy-und-Paste-Publizistik und die Link-Politik ergänzen das tradierte, tägliche Medien-Repertoire um Selektionsergebnisse anderer Nutzer, die wiederum selektiv genutzt und in eigenen Medienangeboten selektiv reproduziert werden. Das ist kein Journalismus. Das ist Veröffentlichung.

  2. „Journalismus“ ist doch eigentlich eine klar definierte Sache, sowohl rechtlich als auch inhaltlich, Weblogging dagegen freilich nicht – es ist höchstens eine Meinungsäußerung oder eine Beschreibung persönlichen Erlebens. Ich lese Logs daher auch nicht wegen vermeintlicher journalistischer Qualitäten, sondern, weil sie persönliche Blickwinkel abbilden und die spezielle Qualität von Weblogs somit dann entsteht, wenn man mehrere Meinungen zum selben Inhalt vergleicht.
    Logs, die schlicht Journalismus wiederkäuen oder von anderen Logs weitererzählen sind daher nicht wirklich interessant, interessant wird es erst, wenn der Logger der Meldung seine Sicht der Dinge hinzufügt: Hier entsteht ein Bezug zu persönlichen Realitäten, den Journalismus nicht abbilden kann bzw. darf.

  3. Völlig richtig. Das ist eine weitere Funktion der Weblogs, die (zusammen mit einigen anderen Funktionen) der von mir ausgeführten Funktion der individuellen Selektionshilfe hinzuzufügen ist.

  4. Damit sind sicherlich zwei Hauptfunktionen von Weblogs gut beschreiben. Einerseits die Veröffenltichung persönlicher Selektionsergebnisse und andrerseits die persönliche Einordnung / Interpretation derselben.
    Ein weiteres Merkmal dabei ist der Kreislauf dieses Prozesses. Je mehr Interaktion in diesem Prozess desto spannender für die Beteiligten.

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