Yahoo als Befehlsempfänger

Vergangenen Samstag sah ich Michel Lemaurs Film «Yahoo, la Chine», der anlässlich des Genfer Film-Festivals der Menschenrechte aufgeführt wurde. Darin geht es um den chinesischen Journalisten Shi Tao, welcher im April 2005 zu 10 Jahren Haft verurteilt wurde. In Zusammenhang mit seiner Verhaftung wurde bekannt, dass Yahoo Informationen über Shis Email-Konto an die chinesischen Behörden weitergab. Reporters sans frontières hat wiederholt Yahoos Verhalten verurteilt. Der Internet-Konzern verwies in der Vergangenheit jedoch lediglich auf den Umstand, dass er sich an chinesische Gesetzte zu halten habe.

In Lemaurs Film wird Yahoos Umgang mit einer kritischen Öffentlichkeit grotesk vor Augen geführt. Die Reporter begeben sich in die Hong Konger Firmenzentrale, um eine offizielles Statement des Konzerns zu erhalten. Am Empfang werden sie von der Sekretärin mit einem verschmitzten Lächeln angelogen und danach vom Sicherheitsdienst abgeführt. Dieselbe Szene wiederholt sich am Hauptsitz in Kalifornien. Vor dem Firmencampus in Sunnyvale versuchen die Filmemacher Mitarbeitern von Yahoo eine Videobotschaft des Bruders des inhaftierten Shi Tao vorzuspielen. Minuten später taucht wiederum der Sicherheitsdienst auf.

Natürlich hat man solche Szenen in anderen Dokumentarfilmen auch schon gesehen. Der grosse Konzern, der glaubt, ein Imageproblem aussitzen zu können. Bei einem Kommunikationsriesen wie Yahoo wirkt es jedoch noch absurder. Vorallem wenn man auf der Firmenwebsite nachliest, was «Yahoo’s mission» ist : «To connect people to their passions, their communities and the world’s knowledge.»

In einem interessanten Beitrag beleuchtet Rebecca MacKinnon die Firmenstruktur von Yahoo in Asien und den Unterschied zwischen Yahoo! Hong Kong und Yahoo! China. Wie eine Untersuchung in der letzten Woche ergeben hat, sollen Shi Taos Daten nicht von der Hong Konger Filiale sondern direkt von Yahoo! China an die Behörden weitergeben worden sein. Dies befreie Yahoo – so MacKinnon – nicht von seiner Verantwortung, da beispielsweise Google und Microsoft sich bewusst dagegen entschieden haben, ihre E-Mail-Services und Nutzerdaten innerhalb von China zu hosten. Als Reaktion auf die harte Kritik versuchen nun Google, Yahoo!, Microsoft und Vodaphone zusammen mit verschiedenen NGO’s einen Verhaltenskodex aufzustellen.

Hier geht’s weiter:
MetaMedia: Yahoo’s Political Prisoner
FIFDH: Yahoo, la Chine
IHT: Informing case against Yahoo is dropped in Hong Kong
RConversation: Hong Kong Privacy Commissioner clears Yahoo! HK in Shi Tao case

 
 

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2 Responses to Yahoo als Befehlsempfänger

  1. Frank P. 24. September 2007 at 02:23 #

    Tja…,
    und das ist wohl erst die berühmte Spitze vom Eisberg……
    Gruß aus Essen
    Frank

  2. Leon 22. Juli 2009 at 05:24 #

    Das wird wohl wirklich nur die Spitze sein, vor allem aber auch mal wieder ein indiz dafür, wie logisch der Abstieg des ehemaligen Überkonzerns Yahoo ist. Die haben es in den letzten Jahren wirklich geschafft, konsequent an Ansehen zu verlieren. Bin nach wie vor davon überzeugt, dass großes Potential in diesem Unternehmen steckt, allerdings rufen die das wirklich nicht mehr clever genug ab und so rennen sie, wahrscheinlich verdient, meistens der Konkurrenz hinterher.

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